Kommission schlägt Fangmöglichkeiten in der Ostsee für 2027 vor

Die Kommission hat [... am 24.08.] ihren Vorschlag für die Fangmöglichkeiten in der Ostsee für 2027 angenommen. Der Vorschlag enthält die zulässigen Gesamtfangmengen (total allowable catches, TACs) und Quoten für die zehn von der EU bewirtschafteten Fischbestände in der Ostsee: Hering im Bottnischen Meerbusen, Hering in der mittleren Ostsee, Hering im Rigaischen Meerbusen, Sprotte, Scholle, Lachs im Hauptbecken, Lachs im Finnischen Meerbusen, Dorsch in der westlichen Ostsee, Dorsch in der östlichen Ostsee und Hering in der westlichen Ostsee. [...]

Die Kommission schlägt vor, die Fangmöglichkeiten für Hering im Bottnischen Meerbusen (+ 3 %), Hering in der mittleren Ostsee (+49 %), Hering im Rigaischen Meerbusen (+11 %) und Sprotte (+44 %) zu erhöhen. Bei Scholle sowie Lachs im Hauptbecken und im Finnischen Meerbusen würden die Fangmengen im Vergleich zu diesem Jahr unverändert bleiben. Darüber hinaus schlägt die Kommission auf der Grundlage der neuesten Meldungen der Mitgliedstaaten, vor, die zulässigen unvermeidbaren Beifänge – also Fische, die unbeabsichtigt gefangen werden – von Dorsch in der westlichen Ostsee (-88 %), Dorsch in der östlichen Ostsee (-51 %) und Hering in der westlichen Ostsee (-45 %) zu verringern.  

Diese vorgeschlagenen TACs beruhen auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) und folgen dem mehrjährigen Bewirtschaftungsplan für die Ostsee, der 2016 vom Europäischen Parlament und vom Rat angenommen wurde. 

Dorsch

Für Dorsch in der östlichen Ostsee hat die Kommission vorgeschlagen, die Fangmenge für unvermeidbare Beifänge und alle bereits seit mehreren Jahren bestehenden flankierenden Maßnahmen beizubehalten. Da sich der Bestand jedoch weiterhin in einem schlechten Zustand befindet, sollte die Beifanggrenze auf der Grundlage der von den Mitgliedstaaten 2025 gemeldeten Beifänge angepasst werden. Trotz der seit 2019 ergriffenen Maßnahmen, als die Wissenschaft erstmals wegen des schlechten Zustands von Dorsch Alarm schlug, hat sich die Lage nicht verbessert. 

Ähnliches gilt für Dorsch in der westlichen Ostsee. Die Kommission schlägt daher vor, die Beifang-TAC anzupassen, um der Verschlechterung des Bestandszustands entgegenzuwirken, und alle flankierenden Maßnahmen beizubehalten. 

Hering

Die Bestandsgröße von Hering in der westlichen Ostsee liegt nach wie vor deutlich unterhalb des Mindestniveaus. Die Kommission schlägt vor, die Ausnahme für die kleine Küstenfischerei zu streichen und lediglich eine TAC für unvermeidbare Beifänge festzulegen. 

Die Bestandsgröße von Hering im Bottnischen Meerbusen liegt über den bisherigen Schätzungen, allerdings immer noch unter dem nachhaltigen Niveau. Bei Festlegung der Höchstfangmengen im Einklang mit dem ICES-Gutachten würde die Bestandsgröße weiter zurückgehen. Um weiter auf eine Wiederauffüllung hinzuwirken, schlägt die Kommission eine TAC in einer Höhe vor, bei der die fischereiliche Sterblichkeit stabil bleibt und die Bestandsgröße zunimmt. Außerdem schlägt die Kommission vor, die dreimonatige Sperrzeit während der Laichsaisond. h. eine Beschränkung der Fischerei während der Reproduktionszeit in flachen Küstengewässern beizubehalten.  

Die Bestandsgröße von Hering in der mittleren Ostsee hat zugenommen, liegt aber nach wie vor unter dem nachhaltigen Niveau. Der ICES geht aufgrund einer mutmaßlich hohen Rekrutierung von einer positiven Bestandsentwicklung aus. Um weiter auf eine Wiederauffüllung hinzuwirken, schlägt die Kommission vor, Vorsicht walten zu lassen unddie TAC in einer Höhe festzusetzen, bei der die fischereiliche Sterblichkeit stabil bleibt. Außerdem schlägt die Kommission vor, die dreimonatige Sperrzeit während der Laichsaison in flachen Küstengewässern beizubehalten. 

Der Bestand von Hering im Rigaischen Meerbusen ist gesund, und die Kommission schlägt vor, die Fangmengen gemäß dem empfohlenen Höchstwert des ICES festzusetzen. 

Scholle

Gemäß den wissenschaftlichen Gutachten wird eine leichte Erhöhung empfohlen, dochdie Kommission schlägt vor, aufgrund des schlechten Zustands einzelner Exemplare die TAC in unveränderter Höhe beizubehalten. Darüber hinaus sind im letzten Jahr neue Maßnahmen für die Fischerei auf Plattfische, einschließlich Scholle, in Kraft getreten. Diese Maßnahmen werden dazu beitragen, die Nachhaltigkeit der Fischerei auf Plattfische zu verbessern, insbesondere durch die Verringerung unbeabsichtigter Beifänge vonDorsch – die nach wie vor häufig vorkommen. 

Sprotte

Nach mehreren schwierigen Jahren hat die Größe des Sprottenbestands aufgrund sehr hoher Reproduktionsraten in der jüngsten Vergangenheit zugenommen. Der ICES geht davon aus, dass der Bestand weiter wachsen wird. Daher schlägt die Kommission vor, die TAC gemäß dem empfohlenen Höchstwert festzusetzen und die dreimonatige Sperrzeit während der Laichsaison aufzuheben.  

Lachs

Der ICES hat für 2027 kein neues Gutachten veröffentlicht. Die Kommission schlägt daher vor, die Höhe der (Beifang-)TACs und die damit einhergehenden Bedingungen für die beiden Lachsbestände beizubehalten, mit Ausnahme der Freizeitfischerei auf gezüchteten Lachs, die eingestellt werden sollte.  

Nächste Schritte

Auf der Grundlage dieser Vorschläge werden die EU-Länder einen endgültigen Beschluss fassen, in dem für die wichtigsten kommerziell genutzten Fischarten festgelegt wird, wie viel Fisch in der Ostsee höchstens gefangen werden darf. Der Rat wird den Vorschlag der Kommission prüfen, damit auf der Ratstagung am 26. und 27. Oktober 2026 eine politische Einigung erzielt werden kann. Die förmliche Annahme durch den Rat erfolgt dann im Laufe des Novembers. 

Hintergrund

Der Vorschlag für die Fangmöglichkeiten ist Teil der Strategie der Europäischen Union, das Niveau der Fänge an langfristige Nachhaltigkeitsziele – die Erreichung des sogenannten höchstmöglichen Dauerertrags (maximum sustainable yield, MSY) – anzupassen, wie vom Europäischen Parlament und vom Rat im Rahmen derGemeinsamen Fischereipolitik vereinbart. Der Vorschlag der Kommission steht auch im Einklang mit dem Mehrjahresplan für die Bewirtschaftung von Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee und mit den politischen Absichten, die die Kommission in ihrer Mitteilung „Nachhaltige Fischerei in der EU: Sachstand und Orientierungslinien für 2027“ dargelegt hat. 

Die derzeitige Situation ist für Fischerinnen und Fischer schwierig, da die Bestände verschiedenen Belastungen – wie hohen Nährstoffeinträgen und anhaltend hohen Schadstoffkonzentrationen – ausgesetzt sind, die zu einem Rückgang der biologischen Vielfalt der Ostsee geführt haben. Diese Stressoren sind zum Teil darauf zurückzuführen, dass die EU-Rechtsvorschriften nicht umgesetzt werden. Darüber hinaus zeigen die wissenschaftlichen Gutachten auch die Auswirkungen von Falschmeldungen von Fängen, allerdings lassen sich diese Auswirkungen nicht quantifizieren. Falschmeldungen können zu versteckter Überfischung führen. 

Die Ostsee ist das am stärksten verschmutzte europäische Meer. Sie ist dem Verlust von biologischer Vielfalt, dem Klimawandel, Eutrophierung, den Folgen früherer und vermutlich weiterhin bestehender Überfischung und erhöhten Konzentrationen von Schadstoffen wie Arzneimitteln und Abfällen ausgesetzt. Angesichts dieser düsteren Lage hat die Europäische Kommission mehrere Auflagen der Konferenz „Our Baltic“ (2020, 2023 und 2025) veranstaltet, um Ministerinnen und Minister der acht an der Ostsee gelegenen EU-Länder (Dänemark, Deutschland, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Finnland und Schweden) zusammenzubringen. [...]

(PM Europäische Kommission, gek.)

Weitere Informationen unter ec.europa.eu


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